Blog · Rechnen mit Zeit

Industrieminuten umrechnen: Tabelle, Formel und Fallstricke

7,30 sind nicht sieben Stunden dreißig. Wer Arbeitszeit mit einem Stundenlohn multipliziert, rechnet im Dezimalsystem – und wer die beiden Schreibweisen verwechselt, verschenkt oder berechnet jeden Monat Geld.

Von Dr. Katharina Müller · 23. August 2026 · Quellen am Seitenende

Kurz beantwortet: Eine Industriestunde ist eine gewöhnliche Stunde, dargestellt als Dezimalzahl mit 100 Hundertsteln statt 60 Minuten. Eine Industrieminute ist folglich ein Hundertstel einer Stunde und dauert 36 Sekunden. Die Umrechnung ist eine Division: Industriezeit = Stunden + Minuten ÷ 60 + Sekunden ÷ 3.600. Aus 7:45 werden 7,75; aus 6:20 werden 6,33. In die Gegenrichtung wird der Nachkommateil mit 60 multipliziert: 0,25 sind 15 Minuten. Der Zweck ist rein rechnerischer Natur – nur im Dezimalformat lässt sich Arbeitszeit direkt mit einem Stundensatz multiplizieren. Gerundet werden darf dabei, aber nicht zulasten der Beschäftigten.

Warum es Industrieminuten überhaupt gibt

Zeit wird in einem Sechzigersystem gemessen, Geld in einem Zehnersystem. Solange beides getrennt bleibt, stört das nicht. Sobald aber Stunden mit einem Stundenlohn multipliziert werden, kollidieren die Systeme: 7 Stunden 45 Minuten mal 15,00 € ist keine Rechnung, die sich unmittelbar ausführen lässt. Erst die Umwandlung in 7,75 macht daraus eine gewöhnliche Multiplikation – 116,25 €.

Deshalb arbeiten Lohnabrechnung, Nachkalkulation und praktisch jede Auswertung mit Dezimalstunden. Der Begriff „Industriezeit“ stammt aus der Fertigung, wo Vorgabezeiten seit jeher in Hundertsteln geführt werden; die Sache selbst begegnet heute in jedem Stundenzettel, jeder Projektabrechnung und jedem Zeitkonto.

Merksatz

Die Zahl vor dem Komma ist bei beiden Schreibweisen identisch. Nur der Teil dahinter unterscheidet sich: Nach dem Doppelpunkt stehen Minuten von 0 bis 59, nach dem Komma Hundertstel von 0 bis 99. 7:30 ist 7,50 – und 7,30 ist 7:18.

Die Formel in beide Richtungen

Beide Umrechnungen bestehen aus einem einzigen Rechenschritt. Wichtig ist nur, welche Größe geteilt und welche multipliziert wird.

Umrechnung zwischen Zeitformat und Industriezeit
RichtungFormelBeispiel
Stunden:Minuten → IndustriestundenStunden + Minuten ÷ 607:45 → 7 + 45 ÷ 60 = 7,75
Stunden:Minuten:Sekunden → IndustriestundenStunden + Minuten ÷ 60 + Sekunden ÷ 3.6002:15:30 → 2 + 0,25 + 0,00833 = 2,26
Industriestunden → Stunden:MinutenNachkommateil × 606,33 → 0,33 × 60 = 20 → 6:20
Minuten → IndustrieminutenMinuten ÷ 60 × 10027 Minuten → 45 Industrieminuten
Industrieminuten → MinutenIndustrieminuten × 0,680 Industrieminuten → 48 Minuten

Die zweite Zeile zeigt zugleich, wo Ungenauigkeit entsteht: 2:15:30 ergibt exakt 2,2583333…, gerundet 2,26. Solange nur die Anzeige gerundet wird und die Weiterrechnung mit dem ungerundeten Wert erfolgt, ist der Fehler bedeutungslos. Wer dagegen jeden Tag auf zwei Stellen rundet und die gerundeten Werte anschließend addiert, sammelt über einen Monat einen sichtbaren Betrag ein – dazu gleich mehr.

Umrechnungstabelle: Minuten in Industrieminuten

Für den schnellen Blick: alle Werte von 1 bis 59 Minuten, gerundet auf zwei Nachkommastellen. Die Industrieminute ergibt sich aus dem Dezimalwert mal 100 – 0,75 Industriestunden sind 75 Industrieminuten.

Minuten und ihr Dezimalwert (Industriestunden)
Min.DezimalMin.DezimalMin.Dezimal
10,02210,35410,68
20,03220,37420,70
30,05230,38430,72
40,07240,40440,73
50,08250,42450,75
60,10260,43460,77
70,12270,45470,78
80,13280,47480,80
90,15290,48490,82
100,17300,50500,83
110,18310,52510,85
120,20320,53520,87
130,22330,55530,88
140,23340,57540,90
150,25350,58550,92
160,27360,60560,93
170,28370,62570,95
180,30380,63580,97
190,32390,65590,98
200,33400,67601,00

Die glatten Werte lohnt es, auswendig zu kennen: 6 Minuten = 0,10 · 15 Minuten = 0,25 · 30 Minuten = 0,50 · 36 Minuten = 0,60 · 45 Minuten = 0,75. Damit lassen sich die meisten Stundenzettel im Kopf prüfen, denn Schichten enden selten auf krummen Minuten.

Industriezeit in Excel und Google Sheets

Tabellenkalkulationen speichern Uhrzeiten als Bruchteil eines Tages: 12:00 Uhr ist intern 0,5. Daraus folgen die beiden Formeln, die man braucht.

  • Dauer in Industriestunden umwandeln: =A1*24, Zielzelle als Zahl mit zwei Nachkommastellen formatieren. Aus 07:45 wird 7,75.
  • Industriestunden zurück in das Zeitformat: =A1/24, Zielzelle als Uhrzeit formatieren. Aus 7,75 wird 07:45.
  • Summen über 24 Stunden: Das Zahlenformat [h]:mm verwenden. Ohne die eckigen Klammern beginnt die Anzeige nach 24 Stunden wieder bei null – ein Fehler, der Monatssummen zuverlässig unbrauchbar macht.
  • Lohn berechnen: =A1*24*Stundensatz in einem Schritt, damit kein Zwischenwert gerundet wird.

Häufiger Fehler

Wer eine Dauer als Text einträgt („7,45 Std.“), addiert später Zeichenketten statt Zahlen. Dauerangaben gehören entweder durchgängig als Uhrzeit (07:45) oder durchgängig als Dezimalzahl (7,75) in die Tabelle – die Mischung ist die Ursache der meisten falschen Monatssummen. Welche weiteren Fallen eine Excel-Lösung mitbringt, ordnet der Beitrag Stunden erfassen im Kleinbetrieb ein.

Drei Fehler, die bares Geld kosten

Erstens die Verwechslung der Schreibweisen. 7,30 wird als „sieben Stunden dreißig“ gelesen, meint aber 7 Stunden 18 Minuten. Der Unterschied beträgt 12 Minuten pro Tag – bei 20 Arbeitstagen und 15,00 € Stundensatz sind das 60,00 € im Monat, in die eine oder die andere Richtung. Abhilfe schafft eine einzige Regel: In jedem Dokument wird ein Format verwendet und benannt.

Zweitens das schrittweise Runden. Wird jeder Tag einzeln auf zwei Nachkommastellen gerundet und werden erst danach die Tage summiert, entsteht ein systematischer Rundungsfehler. Er ist klein, aber er addiert sich und lässt sich vermeiden: Gerundet wird am Ende, nicht zwischendurch.

Drittens das stille Kürzen. Manche Systeme runden Kommen und Gehen auf viertel Industriestunden – Arbeitsbeginn 8:07 Uhr wird zu 8:15 Uhr, Arbeitsende 16:53 Uhr zu 16:45 Uhr. Das sind 16 Minuten täglich, die verschwinden. Diese Praxis ist nicht zulässig.

Was bei der Rundung erlaubt ist

Rundung ist nicht generell verboten – Rundung zulasten der Beschäftigten ist es. Das Arbeitsgericht Emden hat mit Urteil vom 9. November 2020 (2 Ca 399/18) entschieden, dass eine automatische Rundung der erfassten Zeiten, die im Ergebnis auf eine Kürzung hinausläuft, mit den Anforderungen an eine objektive und verlässliche Arbeitszeiterfassung nicht vereinbar ist. Das Gericht bezog sich dabei auf die Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs aus dem Urteil vom 14. Mai 2019 (C-55/18); das Bundesarbeitsgericht hat die Pflicht zur Einführung eines Erfassungssystems mit Beschluss vom 13. September 2022 (1 ABR 22/21) für das deutsche Recht bestätigt.

Rundungspraktiken und ihre Einordnung
PraxisEinordnung
Anzeige auf zwei Nachkommastellen runden, intern exakt weiterrechnenunproblematisch
Rundung ausschließlich zugunsten der Beschäftigten (immer aufgerundet)zulässig
Kaufmännische Rundung auf 15 Minuten in beide Richtungenkritisch – wirkt im Einzelfall kürzend
Arbeitsbeginn systematisch auf die nächste Viertelstunde vorverlegtunzulässig
Nur die gerundeten Werte speichern, die Originalzeiten verwerfenunzulässig – die tatsächlichen Zeiten sind zu dokumentieren

Für Betriebe mit Aufzeichnungspflicht nach § 17 Mindestlohngesetz kommt eine formale Anforderung hinzu: Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit sind spätestens bis zum Ablauf des siebten auf den Tag der Arbeitsleistung folgenden Kalendertages aufzuzeichnen und mindestens zwei Jahre aufzubewahren. Eine gerundete Dezimalsumme allein genügt dafür nicht – Beginn und Ende gehören dazu. Den Rahmen der Erfassungspflicht ordnet die Seite zur Rechtslage ein.

Warum die App das Thema erledigt

Die Umrechnung ist trivial – der Aufwand entsteht durch ihre Wiederholung. Wer 20 Stundenzettel im Monat von Hand in Dezimalstunden überträgt, verbringt damit ein bis zwei Stunden und baut dabei genau die Fehler ein, gegen die die Umrechnung eigentlich schützen soll. Eine Zeiterfassung, die von vornherein Zeitstempel speichert, kennt das Problem nicht: Sie rechnet intern in Sekunden und gibt am Ende beide Formate aus.

Drei Anforderungen entscheiden dabei über die Brauchbarkeit. Erstens muss die Auswertung beide Darstellungen liefern – das Zeitformat für die Beschäftigten, das Dezimalformat für die Abrechnung. Zweitens muss der Export das Dezimaltrennzeichen korrekt setzen, sonst wird aus 7,75 in der Weiterverarbeitung eine 775. Drittens muss nachvollziehbar bleiben, ob und wie gerundet wurde.

Aplano erfasst Zeiten per Browser, App und Tablet-Terminal, führt die Stunden in laufenden Stundenkonten und liefert Auswertungen und Exporte für die Lohnvorbereitung; nachträgliche Korrekturen laufen über einen dokumentierten Freigabeweg. Zeiterfassung und Auswertungen gehören dort zum Pro-Tarif mit 4,50 € je Mitarbeiter und Monat netto. Auf Capterra wird Aplano mit 4,8 von 5 bei 113 Bewertungen geführt, auf OMR Reviews mit 4,7 von 5 bei 206 Bewertungen, Stand Juli 2026. Welche Systeme die Exporte ähnlich lösen, zeigt der Systemvergleich; wie die Stunden anschließend in die Abrechnung wandern, beschreibt Von der Zeiterfassung zur Lohnabrechnung. Wie sich die entstehenden Salden steuern lassen, steht in Überstunden und Stundenkonto im Griff.

Kurz erklärt

Häufige Fragen

Was ist eine Industrieminute?
Eine Industrieminute ist der hundertste Teil einer Stunde und dauert damit 36 Sekunden. Eine Stunde hat 100 Industrieminuten statt 60 gewöhnlicher Minuten. Der Zweck ist die Rechenbarkeit: Arbeitszeit im Dezimalformat lässt sich direkt mit dem Stundenlohn multiplizieren, ohne dass zwischendurch von 60 auf 100 umgerechnet werden muss.
Wie rechnet man Minuten in Industrieminuten um?
Die Minuten werden durch 60 geteilt. 45 Minuten sind 45 ÷ 60 = 0,75 Industriestunden, also 75 Industrieminuten. Umgekehrt wird der Nachkommateil mit 60 multipliziert: 0,25 Industriestunden entsprechen 0,25 × 60 = 15 Minuten. Sekunden werden durch 3.600 geteilt.
Wie viel sind 7,75 Stunden in Stunden und Minuten?
7,75 Industriestunden sind 7 Stunden und 45 Minuten, weil 0,75 × 60 = 45 ergibt. Die häufigste Verwechslung ist 7,30: Das sind nicht 7 Stunden 30 Minuten, sondern 7 Stunden und 18 Minuten (0,30 × 60 = 18).
Wie rechnet man Industriestunden in Excel um?
Eine als Uhrzeit formatierte Dauer wird mit 24 multipliziert und die Zielzelle als Zahl formatiert: =A1*24 macht aus 07:45 den Wert 7,75. In die Gegenrichtung wird durch 24 geteilt und als Uhrzeit formatiert: =A1/24. Summen über 24 Stunden brauchen das Zahlenformat [h]:mm, sonst beginnt die Anzeige wieder bei null.
Darf Arbeitszeit auf viertel Industriestunden gerundet werden?
Nur, wenn die Rundung sich nicht zulasten der Beschäftigten auswirkt. Das Arbeitsgericht Emden hat mit Urteil vom 09.11.2020 (2 Ca 399/18) entschieden, dass eine automatische Rundung, die auf eine Kürzung der Arbeitszeit hinausläuft, mit der Pflicht zur objektiven und verlässlichen Erfassung nicht vereinbar ist. Zulässig bleibt eine Rundung, die ausschließlich zugunsten der Beschäftigten wirkt; erfasst und aufbewahrt werden müssen in jedem Fall die tatsächlichen Zeiten.

← Alle Blog-Artikel · Systemvergleich · Rechtslage · Lexikon

Über die Autorin

Dr. Katharina Müller ist Arbeitswissenschaftlerin und Expertin für Personalplanung, Arbeitszeitgestaltung und Workforce Management.

Nachprüfbar

Quellen und Stand

  1. § 17 Mindestlohngesetz – Aufzeichnung von Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit binnen sieben Tagen, Aufbewahrung mindestens zwei Jahre.
  2. Arbeitsgericht Emden, Urteil vom 09.11.2020 – 2 Ca 399/18 – automatische Rundung, die auf eine Kürzung hinausläuft, genügt der Pflicht zur objektiven und verlässlichen Erfassung nicht.
  3. EuGH, Urteil vom 14.05.2019 – C-55/18 (CCOO) – objektives, verlässliches und zugängliches System zur Messung der Arbeitszeit.
  4. BAG, Beschluss vom 13.09.2022 – 1 ABR 22/21 – Pflicht zur Einführung eines Zeiterfassungssystems.
  5. Aplano: Zeiterfassung, Stundenkonten und Exporte, abgerufen August 2026.

Redaktionell geprüft am 23. August 2026. Die Tabellenwerte sind auf zwei Nachkommastellen gerundet; für die Abrechnung ist der ungerundete Wert maßgeblich. Rechtsinformationen ersetzen keine Beratung im Einzelfall.